Bürgermeister von Kirchbach: Kinderpolitik als wichtige Querschnittsaufgabe Ministerin Stolz: Gründung des Büros hatte Signalfunktion Kinderpolitik hat in Freiburg Tradition. Als Sachwalter von Kinderinteressen wurde das städtische Kinderbüro vor 20 Jahren gegründet und ist seitdem als Stabsstelle unmittelbar dem Sozialbürgermeister zugeordnet. „Kinder ernst zu nehmen und Kinderpolitik als Querschnittsaufgabe zu begreifen, war damals etwas Besonderes“, erinnert sich Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, „und ist in der heutigen Zeit umso wichtiger.“ Heute seien dank der engagierten Leiterinnen des Kinderbüros und ihrer manchmal etwas unkonventionellen Ideen Dinge Wirklichkeit geworden, an die man Ende der 1980er Jahre nicht gedacht habe. Das sei nicht zuletzt auch dem weit verzweigten, auch durch die Arbeit des Kinderbüros entstandenen Netzwerk zu verdanken, ohne das heute die vielen Aktionen zugunsten von Kindern nicht denkbar wären. Dafür dankte von Kirchbach den früheren Kinderbüro-Leiterinnen Brigitte Grether und Christa Zink, der heutigen Leiterin Andrea Wagner und allen Initiativen, die sich für Kinderinteressen einsetzen. Ministerin Monika Stolz, Kinderbeauftragte der Landesregierung, schreibt in ihrem Grußwort zum Jubiläum: „Kinder sind in Freiburg willkommen. Dieses deutliche Signal 2 haben Sie vor 20 Jahren mit der Einrichtung des Kinderbüros gesetzt.“ Das Kinderbüro ist eine Anlaufstelle für Kinder und Eltern. Es gibt selbst Auskunft oder vermittelt geeignete Ansprechpartner. Das Büro vertritt Kinderinteressen innerhalb der Verwaltung. Es arbeitet dabei mit anderen Ämtern zusammen. So nimmt es Stellung zu sämtlichen Bebauungsplänen und wirkt an der Stadtplanung mit. Gemeinsam mit Vereinen und Verbänden organisiert es Aktionen für und mit Kindern, zum Beispiel den 1991 erstmals veranstalteten Weltkindertag. Das Kinderbüro arbeitet mit verschiedenen Vereinen zusammen, um Kinderinteressen zu vertreten und die Belange der Kinder zu stärken. Durch seine aktive Teilnahme an Sitzungen des Gemeinderats und seiner Ausschüsse ist das Kinderbüro auch in der Kommunalpolitik präsent. Aus der 20-jährigen Geschichte des Kinderbüros sind aus heutiger Sicht folgende Punkte von besonderer Bedeutung. „Aktionsräume von Kindern in der Stadt“ lautete der Titel einer Studie, mit der die Stadt Freiburg 1991 das Freiburger Institut für angewandte Sozialwissenschaften (FIFAS) beauftragte. Zwei Jahre später legte dessen Leiter Baldo Blinkert die umfangreiche Arbeit vor, die als „Blinkert-Studie“ weit über Freiburg hinaus Wellen schlug. Sie zeigte, dass ein großer Teil der Vorschul- und Grundschulkinder außerhalb der Wohnung keine ausreichenden Spielmöglichkeiten hatte. Gefahrenpunkte, mangelnde Zugänglichkeit von geeigneten Arealen und schlechte Erreichbarkeit von Spielkameraden waren die wichtigsten Gründe. Außerdem zeigte die Studie, dass sich die wichtigsten Faktoren, die den Kinderalltag beeinflussen, kommunalpolitisch verändern lassen. Insgesamt hat die Studie wesentliche Erkenntnisse für die Wohnumfeldplanung erbracht und Grundlagen geliefert für die kinder- und familienfreundliche Konzeption der Stadtteile Rieselfeld und Vauban. Nicht zuletzt flossen die Ergebnisse der Studie maßgeblich in die Arbeit des Kinderbüros ein. Zukunftswerkstätten mit Kindern veranstaltete das Kinderbüro zu den Themen „Leben im Jahr 2020“ (1993) und „Der kinderfreundliche Erwachsene“ (1994). Zentraler Gedanke dabei war, dass Betroffene in besonderer Weise Fachleute für ihre Belange sind. Ferner kam es darauf an, die wenig genutzten Energiequellen von Träumen, Wünschen und Utopien, von Einfallsreichtum und Erfindergeist, aber auch von Angst vor Veränderung für Projekte nutzbar zu machen. Die Ergebnisse wurden mit den Kindern diskutiert, ausgestellt und an die verantwortlichen Stellen weitergeleitet, um sie in Entscheidungen einfließen zu lassen. 3 Verkehrsberuhigte Bereiche („Spielstraßen“) in der Stadt zu schaffen war ein Thema, welches das Kinderbüro gemeinsam mit dem Tiefbauamt seit 1995 beschäftigte. Angestoßen von Forderungen aus der Bürgerschaft hatte der gemeinderätliche Verkehrsausschusses die Verwaltung beauftragt, ein Gesamtkonzept für Freiburg zu erstellen. Ziel war es, kinderfreundliche Wohnumfelder zu schaffen und die Unfallgefahr für Fußgänger zu vermindern. „Raum für Kinder schaffen“ lautete das Motto der Veranstaltung, bei der am 5. Mai 1995 über 20 Straßen für den Verkehr gesperrt und gemeinsam mit dem Freiburger Spielmobil für einen Tag zu Spielflächen wurden. Derartige Aktionen zusammen mit Informationsveranstaltungen und gezielter Öffentlichkeitsarbeit trugen dazu bei, dass der Sinn verkehrsberuhigter Zonen heute unbestritten ist. Dass dieser Schritt nicht teuer sein muss, zeigte das Tiefbauamt mit seinem „Freiburger Modell“: Einfache Mittel wie Poller und Markierungen reichen aus. Seitdem sind 14 Straßen nach diesem Muster verkehrsberuhigt worden. In weiteren sechs Straßen sind Autos und Fußgänger gleichberechtigt. Insgesamt gibt es heute in Freiburg 177 verkehrsberuhigte Zonen. Dass Kinderspielplätze nicht allein durch ihre Geräte attraktiv sind, ist ebenfalls eine Erkenntnis aus dieser Zeit. 1995 startete das Kinderbüro mit dem städtischen Gartenamt ein Projekt, um konventionelle zu naturnahen Spielplätzen umzugestalten. Wechsel von Berg und Tal machen das Gelände interessant und bieten Abwechslung. Wasser als Spielelement, Sitzgelegenheiten, Baumhäuser, Brücken oder Weidenzäune sind heute auf Spielplätzen zu finden. Häufig packen Kinder, Eltern, Nachbarn und andere ehrenamtlich Engagierte mit an, wenn es um die Veränderung von Spielplätzen geht. Bis heute ist rund ein Drittel der insgesamt 146 Kinderspielplätze nach diesem Muster umgestaltet worden. Auch Schulhöfe sind heute längst nicht mehr freudlose asphaltierte Rechtecke. Seit 1995 engagiert sich das Kinderbüro beratend und vermittelnd auf diesem Feld. Für einen neuen Schulhof müssen sich zunächst einmal die Schulen oder ihre Freundeskreises engagieren – mit einer Konzeptidee und finanziell. Rund ein Drittel der für den Umbau nötigen Mittel sollten sie selbst beschaffen, den Rest zahlt die Stadt. Die hilft bei der Umsetzung auch mit dem Sachverstand des Gebäudemanagements Freiburg, des Amts für Schule und Bildung und des Kinderbüros. Seit diesem Jahr gibt es auch einen Leitfaden zur Umgestaltung von Schulhöfen. 50 der rund 70 Pausenhöfe haben auf diese Weise mittlerweile ein neues Gesicht erhalten. 4 Eine überwältigende Resonanz auf die Freiburger Kinder- und Familienpolitik kam 1997 vom Bundesfamilienministerium: Es erklärte Freiburg mit weiteren 14 Gemeinden zum Sieger im Wettbewerb „Kinder- und familienfreundliche Gemeinde“. Ausschlaggebend waren aus Sicht der Jury unter anderem die familien- und kinderfreundliche Planung der Stadtteile Rieselfeld und Vauban. Unter 384 Kommunen hatte man die gesucht, die ihr Handeln besonders auf Familien und Kindern ausrichten. Ebenfalls 1997 errang Freiburg den Spitzenplatz auf einer vom Magazin Fokus initiierten Untersuchung von 84 deutschen Großstädten. Die Studie „Wo Kinder am besten spielen“ kommt zu dem Ergebnis, dass Freiburg die Nummer eins auf diesem Gebiet ist und damit zu einer der Städte gezählt werden kann, in denen Kinder gern leben. Der erste offizielle Freiburger Kinderstadtplan erschien 2002. Anderthalb Jahre lang hatte ein Arbeitskreis aus Verkehrsclub Deutschland, Freiburger Verkehrs-AG, Kinderbüro, verschiedenen Schulen und weiteren wichtigen Akteuren gemeinsam mit Kindern an dem Projekt gearbeitet. Der Kinderstadtplan umfasst 82 Seiten. Stadtteilbezogene Pläne enthalten wichtige und interessante Informationen für Kinder, einen redaktionellen Teil mit Tipps sowie einen Faltplan der Gesamtstadt. Seit 2006 gibt der Verein Kinderstadt Freiburg, dem das Kinderbüro angehört, den Plan heraus. „Stadtteildetektive“ schwärmten zur Bestandsaufnahme und Analyse eines Stadtteils aus Kindersicht erstmals 2004 aus. Littenweiler stand damals im Mittelpunkt des Interesses. Kinder der 4. Klassen der Reinhold-Schneider-Schule berichteten Erwachsenen anschließend von ihren Lieblingsorten, zeigten auf, wo es ihnen nicht gefällt, und machten auf Gefahrenpunkte aufmerksam. Bisher fand das Projekt in Kappel (2004/2005), Haslach (2005), Brühl- Beurbarung (2006),Zähringen (2008) und Mooswald (2009) statt. 2005 fiel der Startschuss für den 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte in Freiburg, der seitdem jährlich stattfindet. Die Veranstaltung verbindet Sport mit sozialem Engagement. Was damals mit 24 Teams und 26.000 Euro erlaufenen Spenden begann, steigerte sich auf 43 Teams und 34.000 Euro in diesem Jahr. Insgesamt konnten mit den seit 2005 erlösten 169.951 Euro 92 soziale Projekte für Kinder in Freiburg und der Region gefördert werden. Seit 2008 gibt es den offiziellen Freiburger Schülerkalender, herausgegeben vom Verein Kinderstadt Freiburg. Das rund 5 140 Seiten starke Heft wird zum Schuljahresbeginn unentgeltlich an die Kinder der 3. bis 5. Klassen der Freiburger Schulen verteilt. Die Themenschwerpunkte sind unterschiedlich: 2009 standen Kinderrrechte im Mittelpunkt, in diesem Jahr Migration und Integration. Der Kalender bietet neben dem Kalenderteil eine Orientierung über wichtige Anlaufstellen in der Stadt. So stellen sich städtische Einrichtungen, die Freiburger Verkehrs-AG, Schulen und andere Institutionen vor, die sich für Kinder einsetzen. Damit bekommen sie einen Überblick über das Angebot in Freiburg und lernen sich zu orientieren. Gemeinsam mit dem Spielmobil Freiburg veranstaltete das Kinderbüro am 28. Mai 2009 den ersten Weltspieltag in Freiburg. Während der Auftakt unter dem Motto „Ungewöhnliche Spielorte“ auf dem Kartoffelmarkt stattfand, konzentrierte sich das Geschehen in diesem Jahr unter dem Motto „Achtung, laute(r) Kinder!“ auf die Stadtteile. An dem Projekt beteiligen sich außerdem die Kinder- und Jugendtreffs, der Bund der Kinder- und Jugendfarmen sowie die Schulen. Der Weltspieltag wurde 2008 vom Bündnis Recht auf Spiel in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderhilfswerk ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf die Bedeutung von Frei- und Spielräumen für Kinder hinzuweisen. 2009 wurde die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen 20 Jahre alt. Das Kinderbüro nahm das zum Anlass für das Kinderbeteiligungsprojekt „Kinderrechtsexperten – Kinder reden über ihre Rechte“. Gemeinsam mit der Klassenlehrerin und der Leiterin des Kinderbüros erarbeitete sich eine 4. Klasse der Clara-Grunwald-Schule eine Woche lang das Thema im Unterricht. Den Schlusspunkt bildete ein Gespräch mit Bürgermeister von Kirchbach im Rathaus. Das Projekt war Ausgangspunkt für weitere Kinderrechtsprojekte wie die Ratifizierung der Kinderrechtsurkunde durch Oberbürgermeister Dieter Salomon und Bürgermeister Ulrich von Kirchbach. Kinderbüro, Jacobistraße 14, 79104 Freiburg, Telefon 0761/201-3456, Fax 0761/36 889 666,
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